Zu auffällig
Posted by Alexander Tue, 19 Jun 2007 23:18:11 GMT
Wir sind es ja inzwischen gewöhnt, dass Dozenten versuchen, sich selber zu bewerten. Immer mal wieder müssen wir bei unseren Stichproben feststellen, dass sich Dozenten einen Benutzeraccount angelegt haben, um in allen ihren Kursen sehr gute Bewertungen abzugeben.
Manche machen es etwas geschickter und benutzen nicht ihre offizielle Universitätsadresse. Trotzdem lassen sich manche Spuren nicht verschleiern, und so finden wir auch unter den etwas gewitzeren Lehrkörpern noch einige, die lieber selbst etwas nachhelfen wollten, damit hinter ihrem Namen ein dunkelgründer Balken und eine sehr gute Note auftaucht.
Wir bemühen uns sehr, auch alle diese Manipulationen zu beseitigen. Denn nicht nur übertrieben negative Meinungen, sondern auch unlegitime positive Bewertungen verfälschen das Bild einer Lehrveranstaltung und eines Dozenten. Und es ist schließlich das Ziel der MeinProf Portale, eine möglichst wahrheitsgetreue Darstellung der Qualität des Kurses und des Dozenten zu erreichen.
Zugegeben: Durch unsere Stichproben werden wir wohl nie alle Dozenten erwischen können, die höchstpersönlich sichergehen, dass ihr Selbstbild nicht angekratzt wird. Aber in diesem Falle war es kaum zu übersehen. Es war einfach zu auffällig: 2 Konten über offizielle Uni eMail-Adressen und nochmal 3 Accounts über die Domain der eigenen Firma?
Lieber Herr Professor ... aus ... in NRW. Wir freuen uns sehr, dass Sie unser Portal so gut finden, dass Sie sich gleich 5 Konten angelegt haben, um möglichst viele Bewertungen abgeben zu können. Prinzipiell hätten wir es auch sehr unterstützt, wenn Sie dadurch Ihren lieben Kollegen, deren Unterricht Sie aus eigener Erfahrung als qualitativ sehr hochwertig einschätzen, die eine oder andere sehr gute Note erteilt hätten. Wir finden es jedoch etwas selbstsüchtig, die guten Noten nicht teilen, sondern für sich selbst behalten zu wollen. Wir mussten daher sämtliche Accounts sperren. Schade, dass Sie so viele Stunden damit verbracht haben, andere glauben lassen zu wollen, Sie seien ein noch besserer Prof als Sie es ohnehin schon sind. Das hätten Sie doch wirklich nicht nötig gehabt!
Jetzt mal ganz ohne Ironie: Wir bedanken uns ganz herzlich bei den 99,8% der Dozenten, die der Versuchung widerstehen, sich selbst zu bewerten. Ein noch größerer Dank gilt all denjenigen, die ihre Studenten dazu auffordern, sie zu bewerten, wohl wissend, dass sie vielleicht nicht nur (sehr) gute Bewertungen erhalten werden, und die sich dann auch kritisch mit den Kommentaren auseinander setzen.
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